Leben mit einer psychischen Krankheit

Jahresthema "Leben mit einer psychischen Krankheit"
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"Wenn Du Dich am liebsten in Dich selber zurückziehen möchtest..."

Psychischen Erkrankungen haftet etwas Rätselhaftes an. Außenstehenden fällt es oft schwer zu verstehen, was in einem Menschen vorgeht, der unter einer Depression oder einer anderen Erkrankung der Seele leidet. Ratschläge wie „Du musst dich zusammenreißen“ wirken für Betroffene wie „Schläge“, die sie noch tiefer in die gefühlte Einsamkeit treiben.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde leiden rund 17,8 Mio Erwachsene in Deutschland unter einer psychischen Erkrankung. Nur die wenigsten von ihnen leben hinter den schützenden Mauern einer geschlossenen Einrichtung. Doch so vielfältig die Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen sind – die Auswirkungen sind ähnlich: Sie trüben die Lebensfreude, stehlen die Energie, belasten Beziehungen zu andern, kurzum: sie machen den Lebensraum „eng“. Betroffene erleben es als hilfreich, wenn Menschen ihnen vorurteilsfrei begegnen und einfühlsam zuhören.

So stellt sich nachfolgend die „INSEL“ vor – eine Einrichtung, in der psychisch Kranke Raum für ihre Anliegen und konkrete Hilfe finden; und der Psychiater Prof. Dr. Joachim Demling wirft einen Blick auf psychische Erkrankungen in der Bibel. 

Sozialpsychiatrischer Dienst "Die Insel"
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Kennen Sie die INSEL?

Die INSEL gibt es in Forchheim gleich zweimal. Unter dem Namen INSEL finden Sie zwei Einrichtungen des Sozialpsychiatrischen Dienstes Forchheim: Die INSEL Beratungsstelle und die INSEL Begegnungsstätte. Träger ist der Sozialdienst Katholischer Frauen Bamberg e.V.

Die INSEL Beratungsstelle befindet sich in der Löschwöhrdstr. 9 in Forchheim und bietet Menschen, die von seelischen Belastungen oder psychischen Erkrankungen betroffen sind, Beratungsgespräche, begleitende und nachgehende Betreuung an. Auch Angehörige psychisch belasteter Menschen können sich an uns wenden. Wöchentlich, am Donnerstag, werden Außensprechstunden in Ebermannstadt angeboten.

Neu ab Januar 2019 ist die Erweiterung des Angebots um den Bereich Gerontopsychiatrische Beratung. Psychische Erkrankungen im Alter und der altersbedingte Abbau der körperlichen und/oder geistigen Leistungsfähigkeit stellen für Betroffene und ihre Angehörigen eine große Belastung im Alltag dar. Die Beratung soll der Entlastung und Stabilität dienen und bei der Bewältigung des Alltags helfen. Ziel ist es, das Leben im Alter möglichst selbständig und auch selbstbestimmt führen zu können.

Die INSEL Begegnungsstätte befindet sich in der Bamberger Str. 21. Sie ist offen für alle Menschen, die seelische Probleme haben, psychisch erkrankt sind, die sich einsam fühlen und Schwierigkeiten haben, in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen. Auch Angehörige oder Freunde dieser Menschen sind in der Begegnungsstätte willkommen. Verschiedene Kontakt- und Freizeitgruppen und offene Treffs bieten einen vorurteilsfreien Rahmen für Geselligkeit und Gespräch. Die Mitarbeitenden der INSEL

Rembrandt: David spielt Harfe vor Saul
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Psychische Krankheit, Bibel und Glaube

Gott schickt König Saul einen „bösen Geist“- es ist wohl eine schwere Depression. Im 5. Buch Mose wird Ungehorsamen gedroht, Gott werde sie „mit Wahnsinn schlagen“. Viele Psalmen bekunden Verzweiflung, aber auch Hoffnung auf Gottes Hilfe. Das Neue Testament berichtet von bösen oder unreinen Geistern, von Teufeln und von Beelzebul, ihrem Obersten, die von Besessenen Besitz ergriffen haben. Neben körperlichen sind damit vorwiegend seelische Krankheiten, auch Epilepsien gemeint.

Sauls Depression wird durch Davids Saitenspiel gelindert und geheilt. Jesus „behandelt“ die Besessenen auf andere Weise. Er spricht mit den Geistern, treibt sie aus durch sein Wort - oft schreien sie, Besessene stürzen zu Boden -, er droht ihnen, einmal lässt er sie in Säue fahren, kann auch Fernheilungen bewirken. Er entkräftet den Verdacht der Schriftgelehrten, er selbst sei mit Beelzebul im Bunde. Seinen Aposteln verleiht Jesus die Kraft, ebenfalls böse Geister auszutreiben, und verweist dabei auf die Macht des Glaubens.

Auch für den modernen Menschen haben psychische Krankheiten etwas Rätselhaftes und Unheimliches. Denken und Gefühle sind eingeengt, auf leidvolle, gar krankhafte Inhalte fixiert, seelische Bewältigungsmöglichkeiten, über die körperlich Kranke oft noch verfügen, sind beeinträchtigt oder ausgeschaltet. Auch der Glaube kann erschüttert oder verändert sein. Dennoch bleibt die Kunde davon, dass Jesus Herr ist auch über seelisches Leid, eine Quelle der Zuversicht. Wer an Gottes Kraft und Liebe festhält, hat ein Gegenüber, mit dem er in einen - auch streitbaren - Dialog treten kann. Glaube schafft Freiheit und Hoffnung, kann helfen, in der Krankheit einen Sinn - etwa Prüfung durch Gott, einen Reifungsprozess - zu erkennen, der durch das Leid trägt und sich vielleicht erst nach der Genesung voll erschließt, kann lebensmüde Gedanken überwinden. Untersuchungen an der Erlanger Universität ergaben, dass auch „weltliche“ Therapeuten - Ärzte, Psychologen - offen sind für Gespräche über Gottes Hilfe in seelischer Not. Glaube ist auch hier kein Tabuthema!
Dr. Joachim Demling, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie