Das 3. Gebot - Du sollst den Feiertag heiligen

Das 3. Gebot - Du sollst den Feiertag heiligen
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Von der Schöpfung bis Ostern: Ein Kurzabriss, wie sich das 3. Gebot entwickelt hat.

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, […] Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. (2. Mose 20,8-11)

Im 2. Buch Mose wird das Gebot der Sabbat-
ruhe mit der Schöpfung verbunden. Im 5. Buch Mose werden die Zehn Gebote wiederholt. Dort steht das dritte Gebot mit der Erinnerung des Auszugs aus Ägypten zusammen. Am 7. Tag sollen die Israeliten daran denken, dass Gott sie befreit hat. 

Innehalten, Pause machen, Nachdenken und die Besinnung auf Gottes Taten, das sind für mich Kernthemen dieses Gebotes. Darauf liegt sogar Gottes Segen. Diese Themen setzen sich nach dem babylonischen Exil (597 – 539 v. Chr.) durch. Die Einhaltung des Sabbats wird ein wesentliches Merkmal der religiösen Identität und zu einem Bekenntnisakt.

Innerhalb der christlichen Kirche wurde der Ruhetag vom Sabbat auf den Sonntag, dem Tag der Auferstehung Jesu, verschoben. Einige Gemeinden versammelten sich sofort nach Jesu Auferstehung am Sonntag. In anderen Gegenden gab es noch im 4. Jh. hinein Feiern am Sabbat und am Auferstehungstag. Hinter der Verschiebung auf den Sonntag steht folgender Gedanke: Wie der barmherzige Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat, so wird derselbe Gott die Menschheit aus dem Tod herausholen. 

Seit Martin Luther ist das biblische Gebot mit dem Gottesdienst verbunden. Er verkürzte das Gebot und schrieb im Kleinen Katechismus: „Du sollst den Feiertag heiligen.“ Dann folgte eine kurze Auslegung, in der er das Gebot mit dem Gottesdienstbesuch bzw. der Predigt und dem Hören auf Gottes Wort verband. Auch in unsere Zeit ist es wieder eine bewusste Entscheidung, in die Kirche zu gehen und den Sonntag mit Gott zu erleben.

Mir persönlich ist es wichtig, sonntags in meinen Gottesdiensten die Oster- bzw. Auferstehungsfreude zum Ausdruck zu bringen.

Knut Cramer. Pfarrer der Christuskirche

Körper und Seele brauchen den Tag der Ruhe

Als junger Student durfte ich in einer Synagoge miterleben, wie die jüdische Gemeinde am Freitag Abend den Sabbat begrüßte: in den Liedern lag Sehnsucht nach Frieden. Kerzen wurden entzündet und spiegelten sich wider in erwartungsvollen Gesichtern. Wie eine „Königin“ wurde der einziehende Sabbat jubelnd empfangen.
Mich hat diese Freude, mit der Jung und Alt den Beginn des Sabbats zelebrierten, beeindruckt. Seitdem empfinde ich den Satz „Du sollst den Feiertag heiligen“ viel mehr als Geschenk denn als Gebot.

In der Tat begegnet uns im „3. Gebot“ die älteste soziale Errungenschaft der Menschheit überhaupt: Nach sechs Tagen Arbeit hat jeder Anspruch auf einen Tag Ruhe. Das gilt nicht nur für die Einheimischen, sondern ausdrücklich auch für die Ausländer. Es gilt für wohlhabende Menschen, die sich freie Zeit leisten können wie für „Knechte und Mägde“, die für die Drecksarbeit zuständig sind. Sogar den Nutztieren steht dieser Tag der Ruhe zu! Es würde sich lohnen nachzudenken, was das für Tierschutz und Tierwohl bedeuten könnte!

Kein Mensch kann immerzu arbeiten, ohne an Leib und Seele Schaden zu nehmen. Trotzdem wird das 3. Gebot häufig verletzt – auch von mir!
Körper und Seele brauchen den Wechsel von Arbeit und Ruhe, von Alltag und Feiertag. Als im Frühjahr während des Lockdowns alle Tage gleich waren, fehlte vielen Menschen dieser Wechsel, die Struktur der Woche. 
In der Bibel hat in der Bibel eine doppelte Begründung:
Gott selber ruhte nach der Erschaffung der Welt. 
Am Ruhetag am Ende der Arbeitswoche ist Zeit, sich zu erholen und sich an der wunderbaren Schöpfung Gottes zu freuen. Wer in der Natur dem Schöpfer begegnet, „heiligt“ den Sabbat.
Gott hat sein Volk aus der Sklaverei befreit.
Sklaven kennen keinen Ruhetag. Keine Macht dieser Welt darf nach Gottes Willen Menschen versklaven und Besitzanspruch auf ihre Zeit erheben. Gott will, dass wir frei sind von allem, was unterdrückt und belastet.

Die Bibel verbindet das 3 Gebot nicht explizit mit dem Besuch eines Gottesdienstes. Doch im Gottesdienst finde ich in besonders dichter Form, was Gott uns mit dem 3. Gebot schenken möchte: ich kann abschalten und zur Ruhe kommen - und zugleich Befreiung erfahren von dem, was mich belastet. 

Enno Weidt, Pfarrer in St. Johannis