Das 1. Gebot oder Gott, wer bist Du?

Das 1. Gebot oder Gott, wer bist Du?
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Die 10 Gebote beginnen nicht willkürlich. Ganz am Anfang, gewissermaßen als Präambel, richtet Gott folgende Worte an sein Volk Israel: „Ich bin der der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“

Keine Aufforderung, kein „Du sollst!“ steht da am Anfang, sondern Gott stellt sich zunächst vor.
„Ich“, d.h. Gott, ist keine gütige Macht, keine universelle Energie. Gott ist eine Person und Gott hat einen Namen. Luther übersetzt Gottes Namen in Großbuchstaben mit HERR. Im hebräischen Text steht der Name „Jahwe“, was man übersetzen könnte mit „Ich bin da“. So benennt sich Gott vor Mose, als er ihm im brennenden Dornbusch begegnet. Auch Jesus stellt sich übrigens mit den Worten „Ich bin“ siebenmal im Johannesevangelium vor. Als persönliches Gegenüber macht sich Gott uns mit seinem Namen bekannt. So können wir ihn ansprechen. 

„Ich bin dein Gott.“ 
Diese Vorstellung Gottes weist darauf hin, dass Gott den Kontakt zu uns sucht, eine Beziehung eingehen möchte. Das meint auch: „Ich bin mit dir auf deinem Weg. Ich stehe dir bei. Ich will dein Gott sein.“ Darum erinnert Gott sein Volk Israel an das, was er schon getan hat:
 „… der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.“ 
Es ist nicht irgendein unbekannter Gott, der zu diesem Volk spricht, sondern „ihr“ Gott, der sie in die Freiheit geführt hat.

Hier wird deutlich: Mit den 10 Geboten eröffnet Gott uns einen Raum der Freiheit, in dem wir in Gemeinschaft mit Gott und unseren Nächsten leben können. Als Christinnen und Christen glauben wir an diesen einen Gott, und doch hat dieses Gebot auch für uns noch Relevanz. „Einen Gott haben heißt: etwas haben, worauf das Herz gänzlich trauet. Woran du nun dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott!“ so formuliert Luther seine Erklärung zum ersten Gebot im Großen Katechismus. Was für eine tägliche Herausforderung! 
Doch: Gott glaubt auch an uns. Im Urtext beginnen die einzelnen Gebote nicht mit „Du sollst!“, sondern „Du wirst!“. Wie anders liest sich dieses erste Gebot auf einmal: 
Du wirst keine anderen Götter neben mir haben, denn ich bin Dein Ein und Alles.

Beate Wagner, Diakonin in Christuskirche und St. Johannis