Freiräume zum Aufatmen

Freiraum zum Aufatmen
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Im Urlaub in die Kirche

In der Ferienzeit sind viele Menschen unterwegs, auch auf Campingplätzen im In- und Ausland. Da kann man die Freiheit genießen, hat schnell Kontakte, Entspannung, Erholung, Zeit für Sport und Spiel. Denkt da jemand auch an die Kirche? Kaum – sollte man meinen. Auf Europas größtem Campingplatz „Marina di Venezia“, draußen auf der Lagune direkt am Meer, ist das aber anders. In der Hochsaison haben bis zu 12.000 Menschen Platz gefunden in Zelten, Wohnwagen, Wohnmobilen oder auch Bungalows. Es ist eine Stadt für sich mit Supermarkt, Einkaufsstraße, Friseur, Post und Bank, Schwimmbad und Animation.

Natürlich auch mit einer eigenen Kirche! Sonntags um 10 Uhr ist die Heilige Messe. Sie wird auf italienisch gehalten und ist immer gut besucht. Als ehemaliger Campingpfarrer habe ich über 18 Jahre lang dort mit einem Team im Anschluss den evangelischen Gottesdienst halten können, mit Besucherzahlen zwischen 100 und 400 Besuchern. Selbst der Nürnberger Regionalbischof Ark Nitsche war als Prediger zu Gast.

Das Besondere aber ist die Tatsache, dass nicht nur sonntags etwas angeboten wird. Im Bungalow der „Kirche Unterwegs“ gibt es täglich ein volles Programm: Kinder- und Jugendprogramm, Kreativprogramme, Gute-Nacht-Geschichte, Gitarrenkurs. Am Abend wird eingeladen zu Fackelwanderung, offenem Singen, Film und Andacht als Tages-
abschluss. Das schafft ein Pfarrer natürlich alleine nicht. Neben der eigenen Familie sorgte ein Team von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ein attraktives Programm.

Aber nicht nur in Italien ist das Angebot von „Kirche Unterwegs“ für Klein und Groß in den Ferienzeiten da. Auf Plätzen in Oberbayern, der Oberpfalz und im Frankenland trifft man die Teams aus dem Amt für Gemeindedienst an.
Auf den beiden Freizeitmessen in München und Nürnberg sind die Info-Stände der Kirche in der Freizeitwelt präsent: Kirche in Kur- und Urlaubsorten, auf Bergen und an Seen. Die Freiluftgottesdienste zu Himmelfahrt haben ja auch in Forchheim schon eine lange Tradition.

Seit 25 Jahren fahren die Campersionioren gemeinsam für eine Woche weg. 2019 war Leipzig dran. Wir erlebten Gemeinschaft, nahmen Anteil aneinander und erfreuten uns  an Gottes Wort. In Italien sagte mir einmal ein Camper: „Herr Pfarrer, ich gehe sonst nie in die Kirche, aber hier im Urlaub muss es sein. Unsere ganze Familie freut sich schon beim Start in die Ferien.“

Pfarrer Hagemann war bis zu seinem Ruhestand bei Kirche unterwegs tätig.
Den Feiertag heiligen

Am Freitag Abend, unmittelbar nach Sonnenuntergang, beginnt nach alter jüdischer Tradition der Sabbat. Zuhause zünden die Frauen die beiden Sabbatkerzen an. Ein besonderer Glanz erfüllt diesen letzten Tag der Woche, der von den sechs Arbeitstagen davor deutlich abgegrenzt wird. Der Duft von frischgebackenem Brot zieht durch das Haus. Zwei miteinander verflochtene Brote, die „Challot“, laden zum Abendessen. In den Synagogen begrüßen die Gläubigen die „Königin“ Sabbat mit einem Lied voller Sehnsucht und Freude.

In der biblischen Sprache werden die Tage von Sonntag bis Freitag einfach durchgezählt: „Tag eins“, „Tag zwei“ … Allein der Sabbat trägt einen Namen. „Sabbat“ bedeutet „Ruhe“. In sechs Tagen erschafft Gott das ganze Weltall und die Erde mit all ihren Pflanzen und Lebewesen. Am siebten Tag ruht Gott von allen seinen Werken (1. Mose 2,2).
Ein Gott, der „sich ausruht“, ist eine höchst ungewöhnliche Vorstellung. Weil Gott am siebten Tag ruhte und den Sabbat segnete und heiligte, soll auch der Mensch den Sabbat heiligen und von aller Arbeit ruhen. Aus den 10 Geboten, die das Volk Israel am Sinai erhält, ragt das 3. Gebot durch diese besondere Begründung hervor. Der heilsame Rhythmus von Arbeit und Ruhe, von Anstrengung und Entspannung ist den Menschen gleichsam von Gott in die Wiege gelegt worden.

Als Mose das Volk Israel vor dem Einzug ins gelobte Land an die 10 Gebote erinnert, verwendet er eine andere Begründung für das 3. Gebot. Die Israeliten sollen den Sabbat heiligen, weil sie in Ägypten als Sklaven schuften mussten und kein Recht auf Ruhe und Erholung hatten. Der Verzicht auf alle Arbeit am Sabbat erinnert an Gottes Befreiung aus der Sklaverei. Der freie Tag - die erste soziale Errungenschaft der Menschheit - ist Gottes Geschenk an sein Volk und darüber hinaus an alle „Fremdlinge“, ja sogar an die Tiere, die für die Menschen zur Arbeit eingesetzt werden (2. Mose 5).

Die junge Christenheit schob den freien Tag auf den Sonntag, den Tag der Auferstehung Jesu.

Enno Weidt, Pfarrer in Forchheim St. Johannis