Lebenssituationen - Alter

Lebenssituationen - Alter
Bildrechte: www.pixabay.de

Von der Lust und Last des Altwerdens

Manchmal wünschen Gäste einem Geburtstagsjubilar zum Abschied, dass er 100 Jahre alt wird. Das ist gut gemeint. Doch wer möchte ernsthaft so alt werden? 
Für viele ist „Altwerden“ ein Tabuthema. Sie verbinden damit die Einschränkung von körperlichen Fähigkeiten und sozialen Möglichkeiten, den Verlust von persönlicher Attraktivität und sinnvoller (beruflicher) Tätigkeit. Auf der anderen Seite ermöglicht der „Ruhestand“ neue Freiheiten. Manchmal erzählen mir Angehörige beim Trauergespräch, dass für ihren verstorbenen Lieben das Alter die schönste Lebensphase war.

In jedem Fall ist „das Alter“ eine sehr vielfältige und über weite Strecken sehr aktive Lebensphase, die mit vielen Fragen und Themen verbunden ist. In den folgenden Beiträgen möchten wir ein paar Aspekte exemplarisch herausgreifen. Enno Weidt

Wohnen im Alter

„Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ 
In diesem Werbeslogan eines bekannten Möbelhauses steckt die grundsätzliche Erkenntnis, dass Wohnen eben mehr ist, als irgendwo/irgendwie zu „hausen“. Wir alle sehnen uns nach einem wirklichen Zuhause, das unseren Bedürfnissen gerecht wird und in dem wir uns „ausleben“ können. Besonders im Hinblick auf das Leben im Alter wird das zu einer wirklich spannenden Herausforderung. 

Wenn in der öffentlichen Diskussion von „Senioren“ die Rede ist, wird oft die Gruppe der Hochbetagten und zunehmend pflegebedürftigen Menschen in den Blick genommen. Das vom Seniorenbeirat der Stadt Forchheim erarbeitete Seniorenpolitische Gesamtkonzept zeigt deutlich, dass die Zahl der Menschen nach dem Eintritt in das Rentenalter steigt, die noch lange körperlich fit und geistig aktiv sind. Es erscheint wenig zukunftsfähig, das Angebot für Wohnen im Alter auf stationäre Wohnmöglichkeiten als einzige Alternative zum Wohnen zu Hause zu denken. In den vergangenen Jahren wurden alternative Wohnformen entwickelt, die auch für die Stadt Forchheim interessant sein könnten.

Beim sogenannten „Betreuten Wohnen“ sind die Wohnungen durch Standort, Zuschnitt und Ausstattung an die Bedürfnisse älterwerdender Menschen angepasst. Außerdem können oft weitere Serviceleistungen dazu gebucht werden, die die Voraussetzung für eine möglichst lange selbstständige Lebensführung schaffen. 

Zu den stark verbreiteten modernen Wohnformen im Alter zählen auch die Senioren-WGs, in denen die Mitbewohnenden im eigenen Zimmer leben und zusätzliche Gemeinschaftsräume nutzen. So wird der Vereinsamung im Alter vorgebeugt und die Seniorinnen und Senioren können sich gegenseitig im Alltag unterstützen und gemeinsame Aktivitäten unternehmen. 

Ähnlich wie in unserem Bürgerzentrum-Mehrgenerationenhaus, das den Kontakt unter den Generationen mit Tagesangeboten fördert, gibt es auch Wohnprojekte, die unterschiedliche Altersgruppen miteinander in Beziehung bringen. Das Mehrgenerationenwohnen eignet sich vor allem für Menschen, die zwar zusammen leben, aber dennoch die Privatsphäre aller Mitglieder wahren möchten. In der Regel handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus, bei welchem die jeweiligen Generationen über eigene Wohnungen verfügen. 

Seit Sommer 2011 gibt es in Erlangen "Wohnen für Hilfe". Hier werden Wohnpartnerschaften zwischen Senioren und Studierenden geschlossen. Anstatt für den zur Verfügung gestellten Wohnraum Miete zu zahlen - lediglich die Nebenkosten sind zu entrichten - erhält der Vermieter Hilfeleistungen im Alltag. Diese können von den Vertragspartnern individuell vereinbart werden, Pflegeleistungen jeglicher Art sind jedoch ausgeschlossen.
Durch geeignete Maßnah-
men der Wohnraumanpassung können viele Wohnungen und Häuser barrierearm oder sogar behindertengerecht umgestaltet werden. Oft sind schon kleine Anpassungen, wie rutschfeste Bodenbeläge oder bodenebene Duschen, hilfreich, um möglichst lange im eigenen Zuhause leben zu können. Der seniorengerechte Umbau des Eigenheims ist förderfähig. Sie können sich dazu z.B. durch die Fachstelle für pflegende Angehörige oder auch den Barrierefreiheitsbeauftragten des VdK beraten lassen.

Der Unterhalt eines Einfamilienhauses stellt viele ältere Menschen zunehmend vor große Herausforderungen, umgekehrt sind gerade junge Familien oft lange auf der Suche nach passendem Wohnraum. Warum nicht über einen Wohnungstausch nachdenken?

Einige der vorgeschlagenen Ideen sind in Forchheim noch Zukunftsmusik. Der Seniorenbeirat setzt sich dafür ein, dass ältere Mitbürger vielfältige Möglichkeiten erhalten, um gut in unserer Stadt leben zu können. Die evang. Kirchengemeinden in Forchheim werden von Horst Schulenburg und Diakonin Beate Wagner in den seniorenpolitischen Gremien vertreten. Gerne können Sie sich mit Ihren Anliegen an uns wenden. Beate Wagner

Alter in biblischer Perspektive

Das ganze Leben eines Menschen steht nach biblischem Zeugnis unter der Zusage der Nähe Gottes. Derselbe Gott, der den Menschen im Mutterleibe gebildet hat (Ps 139,13), verspricht: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten“ (Jes 46,4).

Das Alte Testament erzählt von ganz unterschiedlichen Altersbiographien: Gott beginnt seine Heilsgeschichte ausgerechnet mit zwei „jungen Senioren“. Auf Gottes Verheißung hin brechen Abraham und Sara mit ihrem bisherigen Leben und lassen sich von Gott in eine ungewisse Zukunft führen. Im hohen Alter werden sie Eltern und damit zum Segen für alle nachfolgenden Generationen.
In den Erzählungen um Hiob steht ein Mensch im Mittelpunkt, der in der Mitte seines Lebens furchtbare Schicksalsschläge erleidet und alles verliert. Für Hiob wird das Alter trotzdem zu einer Phase unbeschwerten Glücks, so dass er schließlich mit dem Leben versöhnt und „lebenssatt“ sterben darf.

Realistisch berichtet die Bibel auch von bekannten Persönlichkeiten, die unter den Herausforderungen des Alters leiden und verbittern: Was bei Isaak und Rebekka als zarte und berührende Liebesgeschichte begann, endet im Alter in Sprachlosigkeit und Misstrauen. Rebekka hilft schließlich ihrem Lieblingssohn Jakob, den eigenen Vater zu betrügen und sich von ihm den Segen zu erschleichen. 

Die besondere Qualität des Alters findet die Bibel in der Weisheit und Lebenserfahrung alter Menschen: „Wie schön ist’s, wenn die grauen Häupter urteilen können und die Alten Rat wissen. Das ist die Krone der Alten, wenn sie viel erfahren haben“ (Sir 24,5ff). 

Der Gefährdung alter Menschen durch Armut und Schutzlosigkeit wehrt die Bibel mit einem „Generationenvertrag“:  
„Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir gut ergehe und du lange lebest auf Erden“. Die ersten Christen regelten die Versorgung ihrer Witwen durch die Gemeinde mithilfe einer Witwenverordnung und setzten Diakone ein, die für eine gerechte Versorgung der Witwen sorgen sollten.

Als Bild für das zukünftige Heil Gottes zeichnet der Profet Sacharja eine wunderschöne Vision: „Es sollen hinfort wieder sitzen auf den Plätzen Jerusalems alte Männer und Frauen, jeder mit seinem Stock in der Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen“ (Sach 8,4). Spielende Kinder und sich unterhaltende Senioren als stadtbeherrschendes Bild – mögen sich doch zukünftige Städteplaner von dieser Vision inspirieren lassen! Enno Weidt